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Wirtschaftsmediation als Konfliktlösung

Gerald Schwamberger, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Göttingen

Konflikte sind gerade im Wirtschaftsleben Teil des Alltags und werden – wie Schmerz – unangenehm empfunden, sind aber als Warnsignal überlebenswichtig. Ein Zeichen dafür, dass die Zusammenarbeit zwischen Geschäftspartnern, Gesellschaftern, Mitarbeitern, Kunden oder Behörden verbessert werden muss – damit ein Rechtstreit erst gar nicht entsteht. Konflikte sind zwar notwendig, damit sich die Wirtschaft entwickeln und insbesondere personenbezogene Unternehmen sich den Veränderungen der Wirtschaft anpassen können, allerdings kommt es darauf an, wie man mit diesen Konflikten umgeht.

Bei Unternehmern, insbesondere den kleineren familienbezogenen Unternehmen, können Konflikte zum Problem werden, besonders dann, wenn die Streitigkeiten erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben oder das Arbeitsklima, betriebliche Abläufe und Geschäftsbeziehungen negativ beeinflussen. Solche Auseinandersetzungen kosten nicht nur Geld, sondern sind in der Regel auch zeitintensiv und belasten Nerven und Psyche der Betroffenen.

In der Wirtschaftsmediation werden Konflikte mit Hilfe eines neutralen Vermittlers, dem Mediator, gelöst. Professionelles Konfliktmanagement führt zu gewinnbringenden Lösungen auf der Sachebene und zur Verbesserung der persönlichen und geschäftlichen Beziehungen. Nach einer Untersuchung aus dem Jahr 1998 haben 87 % der 1.000 größten amerikanischen Unternehmen in den letzten Jahren als Partei an einer Wirtschaftsmediation teilgenommen. Mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmensvertreter nannten als Grund für ihre Teilnahme nicht nur Kosten- und Zeitvorteile, sondern auch die Chance, befriedigendere Ergebnisse zu erzielen. Auch hierzulande etabliert sich Mediation immer stärker – auch in der Wirtschaft, weil sie nicht zuletzt durch ihre Effizienz überzeugt.

In der Mediation können Konfliktparteien darstellen, worum es ihnen in der Sache und persönlich wirklich geht. Der Mediator wird versuchen, Missverständnisse zu klären und neue Sichtweisen auf ein Problem zu entwickeln; er wird mit den Konfliktparteien besprechen, welche Ziele und Kriterien eine „gute Lösung“ erfüllen muss. Er ist für die Parteien Übersetzer und Vermittler. Seine Aufgabe ist es, gut zuzuhören, die Standpunkte der Parteien zusammenzufassen, nachzufragen und die Verständigung Schritt für Schritt zu fördern. Hierzu gehört eine strukturierte Gesprächs- und Verhandlungstechnik. Dies führt dazu, dass die Konfliktparteien oft zum ersten Mal dem Kontrahenten richtig zuhören und erfahren, was die andere Seite eigentlich wirklich will. Hierdurch wird die Kooperationsbereitschaft gefördert und alle Beteiligten können ihre Interessen in Ruhe verdeutlichen.

Durch den Mediator werden die Beteiligten in die Lage versetzt, maßgeschneiderte und zukunftsfähige Lösungen selbst zu erarbeiten. In der Mediation wird zur Lösungsfindung das Expertenwissen der Betroffenen genutzt und sie entscheiden selbst, welche gewinnbringenden Lösungen für die Parteien zu einer auch in der Zukunft tragfähigen Vereinbarung führen können. Die Aufgabe der Mediation ist es hierbei, die sachlichen und persönlichen Konfliktteile zu bearbeiten und zu lösen. Sollte die Mediation nicht zu einer Lösung führen, ist der Rechtsweg weiterhin offen.

Für die Durchführung von Wirtschaftsmediation sind entsprechend ausgebildete Wirtschaftsfachleute, insbesondere Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, besonders geeignet, weil sie in ihrer täglichen Arbeit wirtschaftliche Problemlösungen zu bearbeiten haben. Der Mediator muss gegenüber den Beteiligten neutral sein und alle Parteien sollten seine Person als allparteilich und kompetent empfinden. Deshalb sollten bei der Auswahl des Mediators dessen Praxiserfahrung, sein Geschick in der Gesprächsführung und der kompetente persönliche Eindruck, den er auf die Parteien macht, Auswahlkriterien sein.

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